Schildkröten

04.09.2019
Haben Sie Fragen zur Überwinterung Ihrer Schildkröten?

Die Überwinterung von mediterranen Landschildkröten:
Eine Landschildkröte in freier Natur verlässt nach der Winterstarre ihren Überwinterungsplatz.
 
Kalte Temperaturen und fehlendes Futterangebot zwingen die wechselwarmen Wirbeltiere, die kalte Jahreszeit in der sogenannten Winterstarre zu überdauern. In diesem Zustand verharren sie regungslos, die Körpertemperatur gleicht der tiefen Temperatur der Umgebung. Herzschlag, Atmung und Stoffwechsel sind stark reduziert. In freier Wildbahn halten alle mediterranen Landschildkrötenarten (Griechische Landschildkröte Testudo hermanni, Breitrandschildkröte Testudo marginata, Maurische Landschildkröte Testudo graeca) bedingt durch die tiefen Wintertemperaturen in ihrem Lebensraum eine Winterstarre. Dies gehört zum natürlichen Jahreszyklus dieser Schildkröten. Je südlicher und wärmer das Verbreitungsgebiet, desto kürzer fällt die Winterstarre aus. Besonders kurz ist sie bei Maurischen Landschildkröten aus Nordafrika. In den wärmsten Regionen wird die Winterstarre hin und wieder unterbrochen, um während einiger Stunden die wärmenden Sonnenstrahlen aufzunehmen. Im Durchschnitt dauert sie etwa 5 Monate, von Mitte Oktober bis Mitte März. Interessanterweise erwachen im Frühjahr oft die Männchen vor den Weibchen. Breitrandschildkröten begeben sich später in die Winterstarre als Griechische Landschildkröten und erwachen im Frühjahr auch früher. 
 
In Winterstarre fallen sowohl geschlechtsreife Tiere als auch Schlüpflinge bereits im ersten Winter nach dem Schlupf. Deshalb sollen alle mediterranen Landschildkröten jeden Alters auch in Menschenobhut eine kontrollierte Winterstarre halten können. 
 
Mediterranen Landschildkröten die Winterstarre zu verwehren ist Tierquälerei. Es gibt nur einen einzigen Grund die Überwinterung künstlich zu verhindern, nämlich dann, wenn eine Schildkröte vor der Überwinterungsphase erkrankt oder verletzt ist.  

Vorbereitung
Die Vorbereitung zur Winterstarre beginnt schon viele Wochen vor der eigentlichen Ruhephase. Das Hirn der Schildkröte registriert die abnehmende Lichtdauer (Tageslänge) und die abnehmenden Umgebungstemperaturen. Die Aktivitätsdauer der Schildkröte wird kürzer, die aufgenommene Nahrungsmenge stetig kleiner, bis die Nahrungsaufnahme schliesslich ganz eingestellt wird. In den letzten Tagen vor der Winterstarre graben sich die Tiere immer tiefer und länger ins Substrat ein, bis sie schliesslich gar nicht mehr aus ihrem Versteck hervorkriechen und im Erdreich vergraben bleiben. Der Start der Ruhephase ist individuell sehr unterschiedlich und kann bis zu einem Monat auseinander liegen.
 
Bewertung Freilandüberwinterung
 Eine unkontrollierte Überwinterung im Freiland kann temperaturbedingt zum Tod der Schildkröten führen. Weiter besteht die Gefahr, dass die schutzlos eingegrabenen Schildkröten von Mäusen oder Ratten angefressen werden.
 Sehr riskant, nicht zu empfehlen
 
Überwinterung im  Frühbeetkasten oder Gewächshaus
 Ein Frühbeetkasten, bzw. ein Gewächshaus, ist für eine artgerechte Haltung im Freilandgehege sehr sinnvoll und erlaubt die ganzjährige Freilandhaltung der Schildkröten. Für die Überwinterung  muss aber eine gegen Mäuse abgesicherte Grube von mindestens  50 cm Tiefe vorhanden sein. Diese Grube wird mit einem Gemisch aus feuchtem Rindenhäcksel und lockerer Gartenerde gefüllt. Wichtig ist es, den Boden der Grube mit einer Drainage zu versehen, damit eindringendes Wasser abfliessen kann. Die Vorbereitungsphase auf die bevorstehende Winterstarre kann naturnah und ungestört ablaufen und wird nicht durch den Menschen aufgrund des Umsetzens in die Überwinterungskiste gestört. Eine zeitweise eingesetzte Wärmelampe unterstützt dabei den Prozess zur Winterstarre wie in der Natur, wo auch an Oktobertagen die
Sonne das Habitat noch kräftig erwärmen kann. Nachdem sich die Schildkröten selbständig in der Überwinterungsgrube zur Winterstarre begeben haben, wird die Substratfeuchte nochmals überprüft. Das Substrat soll deutlich feucht, fast nass sein. Anschliessend wird eine dicke Schicht nasses Buchenlaub oder Stroh  in den Frühbeetkasten gefüllt. Die Schildkröten graben sich je nach Bedürfnis in die für sie geeignete Substrattiefe ein. Die Frühbeetkastenabdeckung verhindert das Eindringen von Wildtieren und dient als zusätzliche Wärmedämmung. Der so isolierte Boden wird niemals gefrieren und gewährleistet konstante Umgebungsbedingungen, da witterungsbedingte Wärme- oder Kälteeinbrüche die Bodentemperatur kaum beeinträchtigen. Im Frühjahr wird die Laub- oder Strohschicht entfernt und der Boden erwärmt sich aufgrund des Treibhauseffektes relativ rasch. Die Schildkröten erwachen selbständig aus der Winterstarre und geniessen die ersten wärmenden Sonnenstrahlen. Ein automatischer Fensterheber verhindert Hitzestau und eine Wärmelampe sorgt an kühlen Frühjahrstagen für genügend zusätzliche Wärme. Die Überwinterung im Gewächshaus entspricht weitgehend derjenigen im Frühbeetkasten. Im Gewächshaus kann man aber auf die Überwinterungstemperaturen stärker Einfluss nehmen. Vorteilhaft ist die gegenüber einem Frühbeetkasten zusätzlich nutzbare Fläche. Diese dient den Schildkröten in den ersten Wochen nach dem Erwachen aus der Winterstarre bei kalten Aussentemperaturen als grosszügiges Innengehege. 
 
Bewertung «Frühbeetmethode»
 Naturnahe Methode, bei der die Schildkröten sich selbständig auf die Winterruhe vorbereiten und auch Beginn und Dauer selber bestimmen. Dadurch werden die Schildkröten kaum gestresst und die Methode ist sehr sicher. Die Tiere und die Substratfeuchte können im Winter zwar kaum kontrolliert werden, aber das ist bei dieser Methode auch nicht nötig.
Erste Wahl,  sehr empfehlenswert
 
Überwinterungsmethoden  ausserhalb des Freilandgeheges
 Ist die Überwinterung im Frühbeetkasten oder Gewächshaus nicht möglich, müssen die Schildkröten in speziell eingerichteten Kisten an einem kühlen Ort überwintern. Die Kisten müssen mindestens so gross sein, dass die Tiere sich gut darin drehen und eingraben können. Mit zunehmendem Substratvolumen nimmt die Gefahr der Austrocknung ab, auch deshalb sollten die Kisten so gross wie möglich sein. Als praxistauglich haben sich Kunststoff- oder Holzkisten mit einer Grundfläche von etwa 60 cm x 40 cm erwiesen. Werden mehrere Tiere darin überwintert, muss für jedes genug Platz vorhanden sein, damit sie sich nicht gegenseitig stören. Ausgewachsene Tiere werden am besten einzeln überwintert. Die Kisten werden mit einem Gemisch aus Rindenhäcksel und lockerer Gartenerde soweit gefüllt, dass sich die Schildkröten vollständig darin eingraben können. Idealerweise belässt man die Schildkröten solange im Freilandgehege, bis sich diese selbständig für die Winterstarre eingegraben haben und überführt sie erst dann in die vorbereitete Kiste und überdeckt sie mit feuchtem Buchenlaub. Die Kiste wird mit einem luftdurchlässigen Deckel verschlossen. Kleine Löcher im Boden verhindern Staunässe. Wo nötig sind die Kisten gegen Mäuse, Ratten und Marder abzusichern. Der Ort, der für die Überwinterung vorgesehen ist, muss Temperaturen zwischen 2 und 6°C aufweisen, ruhig und dunkel sein. Lärm, Licht und Erschütterungen wirken sich störend auf die Ruhephase der Schildkröten aus.
 
Kalter Innenraum  oder Lüftungsschacht
Eine alt bewährte Methode ist die Überwinterung der Schildkröten in einem kühlen Raum mit konstant tiefen Temperaturen zwischen 2 und 6°C. Eine periodische Kontrolle der Raumtemperatur ist unabdingbar. Allenfalls ist ein Frostwächter zu installieren. In solchen Räumen herrschen meist konstante Umgebungsbedingungen und witterungsbedingte Wärme- oder Kälteeinbrüche haben auf die Raumtemperatur kaum Auswirkungen. In neueren  Gebäuden  sind  solche Räume weniger empfehlenswert aber kaum noch vorhanden. Eine mögliche Alternative kann da ein Lüftungsschacht sein. Die Eignung als Überwinterungsort muss aber vor dem ersten Gebrauch

 
Vor- und Nachteile der Überwinterung ausserhalb des Geheges
 Bei der Überwinterung ausserhalb des Geheges können die Schildkröten gut kontrolliert werden. Solche Kontrollen stellen für die Tiere aber eine Störung dar und sind umstritten. Das Substrat muss periodisch kontrolliert und nötigenfalls neu befeuchtet werden. Ein Nachteil ist, dass über Beginn und Ende der Winterstarre der Mensch und nicht die Schildkröte entscheidet. Ausserdem besteht die Gefahr, dass im Herbst Schildkröten im Freiland nicht mehr gefunden werden, wenn sich diese bereits eingegraben haben. 
 
Bewertung kalter Innenraum und Lüftungsschacht
Abgesehen von den oben erwähnten Nachteilen ist diese eine gute Überwinterungsmethode, vorausgesetzt es steht ein Raum mit Temperaturen zwischen 2 und 6°C zur Verfügung. Bei Lichtschächten ist eine verstärkte Kontrolle der Temperatur nötig.
 
Bewertung Kühlschrankmethode
Der Vorteil dieser Methode ist, dass die Überwinterungstemperatur eingestellt werden kann. Das Temperaturgefälle im Kühlschrank kann aber erheblich sein und in der Nähe der Kühlschlangen besteht sogar die Gefahr von Erfrierungen. Das Substrat trocknet wegen der geringen Luftfeuchtigkeit rasch aus und muss immer wieder befeuchtet werden. Durch die häufig notwendigen Kontrollen und die Erschütterungen beim Ein- und Ausschalten des Kompressors werden die Schildkröten immer wieder gestört. Bei grösseren Beständen gibt es Platzprobleme.
Notlösung.



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